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Weniger Pestizide spritzen dank neuen Sorten

Robuste Sorten sind ein wichtiger Faktor für die Reduktion von Pestiziden. Aus diesem Grund testen wir zusammen mit der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope und der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissen­schaften HAFL verschiedene Kartoffelsorten auf ihre Anfälligkeit auf Pilzkrankheiten.

Anbau von Kartoffeln ist anspruchsvoll

Der Anbau der tollen Knollen ist anspruchsvoll und die Pflanzen werden je nach Witterung stark von der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) befallen. Die Sporen der Pilzkrankheit verbreiten sich durch die Luft und vermehren sich bei feuchten Bedingungen im Kartoffelfeld schnell, wenn sie nicht behandelt werden. Im biologischen Anbau spritzen die Landwirte gegen den Pilz Kupferpräparate, im konventionellen ÖLN-Anbau synthetische Fungizide. Wenn sich die Pilzkrankheit ungehindert ausbreitet, kann dies grosse Ertragsverluste bis zu einem Totalausfall zur Folge haben. Gleichzeitig bildet der Pilz auch diverse Mutationen, die eine allfällige Resistenz von einzelnen Sorten durchbrechen können.

Damit die Landwirte den Zeitpunkt der Behandlung nicht verpassen, können sie das Prognosesystem PhytoPRE von Agroscope konsultieren oder werden aktiv vom System gewarnt. Auf diese Weise können sie unnötige Behandlungen vermeiden, da diese weder dem Landwirt (Aufwand und Kosten) noch der Natur dienen. Das Tool wird stetig weiterentwickelt und verbessert.

Sorten sind unterschiedlich anfällig

In der Schweiz werden mehr als 40 verschiedene Kartoffelsorten angebaut. Diese unterscheiden sich nicht nur im Geschmack und im Aussehen, sondern auch in ihrer Anfälligkeit auf verschiedene Krankheiten. In den letzten Jahren wurden bereits robuste Sorten wie Jelly und Vitabella auf die Liste der empfohlenen Sorten aufgenommen. Im letzten Jahr lancierten wir ein Projekt mit dem Ziel, die Sortenliste mit weiteren robusten Sorten zu ergänzen. Da die Züchtung einer neuen Kartoffelsorte sehr aufwändig ist und ca. 10 Jahre dauert, werden drei Sorten aus dem Ausland auf ihre Robustheit geprüft.

Versuchssorten auch bei Landwirten angebaut

Die ersten Resultate zeigen, dass bei der Sortenwahl grosses Potenzial besteht. Auf der Kleinparzelle lieferten die Sorten Acoustic und Twinner auch ohne das Spritzen von Fungiziden einen ansprechenden Ertrag.

Um die Sorten auch in der Praxis zu prüfen, bauen sechs Landwirt*innen auf ihrem Betrieb diese an. Der Fungizid-Einsatz gegenüber herkömmlichen Sorten konnte durchschnittlich von 6 auf 3 Spritzungen halbiert werden ohne dass ein nennenswerter Befall auftrat. In diesem Jahr werden nochmals die gleichen Sorten angebaut, um zu testen, ob sich der Erfolg wiederholt. Auch wenn die Sorten vom ausländischen Züchter als «resistent» gepriesen werden, ist noch nicht gesichert, dass sie sich unter den hiesigen Bedingungen auch so verhalten. Auch muss beachtet werden, dass die Resistenzen bei der Züchtung mit anderen Eigenschaften konkurrieren, beispielsweise mit dem Geschmack. Die Züchtung beziehungsweise die Auswahl von Sorten ist deshalb sehr herausfordernd.

Sorten dem Klima anpassen

Der Klimawandel trifft auch den Kartoffelanbau. Die veränderten und teilweise extremen klimatischen Bedingungen wirken sich nicht nur auf den Ertrag, sondern auch auf die Qualität aus. Dies betrifft insbesondere innere Merkmale wie den Stärkegehalt, der wichtig für die Herstellung von beispielsweise Pommes Chips ist. Aus diesem Grund wurden im letzten Jahr 25 Versuchssorten auf Hitze- und Trockenheitsstress untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Kartoffeln unter Trockenheit generell schneller reiften, die Ertragseinbussen jedoch sortenabhängig waren. Dieses Jahr sollen 50 Sorten untersucht und zusätzliche Anordnungen im Gewächshaus durchgeführt werden.

Flurbegehungen

Mache dir selbst ein Bild und besuche unsere Flurbegehungen Ende Juni/anfangs Juli. Auf den Parzellen werden die Sorten Twinner, Acoustic und Almonda angebaut und mit Jelly verglichen. Die  landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope und die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissen­schaften HAFL präsentieren zusammen mit den Landwirten Resultate und Erfahrungen.

Mittwoch, 30. Juni 2021 um 19.30 Uhr bei Christoph Jakob in Bätterkinden (47.116915, 7.528142)

Freitag, 2. Juli 2021 um 19.30 Uhr bei Beat Ryser in Worb (46.9395958, 7.5555052)

Dienstag, 6. Juli 2021 um 19.30 Uhr bei Samuel Arn in Büetigen (47.1087251, 7.3323850)

 

Mehr Informationen und die QR-Codes der Standorte findest du im Flyer:


Michelle König und ihr Vater Rolf engagieren sich bei unseren Sortenversuchen. Sie sind gespannt, wie viele Fungizid-Behandlungen sie einsparen können. 

Alle sorten auf einen Blick

Die aktuellsten Kartoffelsorten mit Angaben über Kochtyp und Verwendungszweck findest du hier.

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